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25. Oktober 2010: Trümmersuche auf vier Pfoten

Das Klingmühler Eck in Finsterwalde, oder was davon noch übrig ist, ist am Samstag für fünf Stunden DRK-Übungsgelände gewesen. Die Rettungshundestaffeln Finsterwalde, Forst und Fläming-Spreewald trainierten im Abrissgebiet die Trümmersuche.

Das von Joy aufgespürte „Opfer“ wirft der Hündin ihr Spielzeug als Zeichen zu. Hundeführerin Grit Schreiber ist zufrieden. Foto: Lausitzer Rundschau

Der Wheat-Terrier Robin steht bellend vor einem blauen Container. Hundeführerin Sabine Perko von der Forster Staffel öffnet die Tür und befreit das »Opfer«. Eine nachgestellte Situation, wie sie am Samstag in Variationen immer wieder geübt wird. André Wagner, Leiter der DRK-Rettungshundestaffel Elbe-Elster Nord, hat diesen Trainingstag angeregt. »Es gibt nicht so viele Möglichkeiten, gerade die Trümmersuche durchzuführen«, erklärt er. Ein solcher Ernstfall sei aber gar nicht so abwegig, auch wenn man hier nicht gleich von einem Erdbeben ausgehen könne. Verschüttete könne es auch nach einer Rutschung oder Gasexplosion geben, so Wagner. »Wir waren in Lübben nach einer Gasexplosion und in Mühlberg im Einsatz, als dort eine Giebelwand eingestürzt war. Darunter lag ein Fahrrad und man wusste nicht, ob auch eine Person verschüttet ist«, erinnert sich Birgit Wagner. Im Moment gibt es im Land Brandenburg nur einen geprüften Trümmersuchhund, weiß André Wagner. »Das ist zu wenig«, sagt er. »Mehr Potenzial ist da, wie man heute sieht.« Eine Prüfung im nächsten Jahr schließt er nicht aus. Ein Betonschuttberg, große Erdhügel, leer stehende Gebäude, Bretterverschläge, Plastiksäcke sowie mehrere Container regen die Ausbilder zu immer neuen Verstecken für »Opfer« an. Unerschrocken müssen die Hunde durch unbekanntes Gelände streifen, sich selbst einen sicheren Weg über lose Steine und Aufschüttungen wählen. Die 44-jährige Hundeführerin Grit Schreiber aus Finsterwalde flüstert Labradorhündin Joy das Kommando ins Ohr. In kürzester Zeit hat die mehrfach geprüfte sechsjährige Joy eine Person auf dem Erdhügel ausfindig gemacht und bellt. Doch es gibt noch mehr »Opfer« im »Einsatzgebiet«. Die Suchhunde sind nur auf liegende, hockende, kriechende oder hängende Personen trainiert. Mit lautem Bellen signalisiert Joy eine Person im Berg aus Plastiksäcken. »Sind Sie allein hier?«, fragt Grit Schreiber Gisela Wallstab, 73-jährige DRK-Helferin von der Staffel Fläming-Spreewald, und ist damit dichter an der Lösung des dritten simulierten Falles, als sie ahnt. Denn in den Säcken steckt noch der 26-jährige Sebastian Zech, erst ein knappes Jahr bei der Forster Staffel. Eine harte Nuss für Joy, die bereits einmal eine Trümmersuchprüfung absolviert hat. Sie macht bei den Säcken noch einmal Halt, dreht aber ab. Da aber hat Grit Schreiber einen Gedankenblitz und dirigiert Joy erfolgreich erneut dorthin. »Gerade in Trümmern kann in unmittelbarer Nähe eine zweite Person verschüttet sein«, erklärt Ausbilderin Kathrin Pietsch. »Du kannst deinen Hund sehr gut lesen«, lobt sie Grit Schreiber. Seit zwei Jahren ist Dirk Richter mit Carlo, einem Deutsch-Drahthaar, bei der Finsterwalder Staffel, seit einer Woche mit bestandener Flächensuchprüfung. »Ich habe Carlo aus dem Tierheim geholt und gemerkt, dass er gern sucht und hilft. So bin ich zur Rettungshundestaffel gekommen«, erklärt Richter. Vielleicht hat die Finsterwalder Staffel, mit sechs geprüften Hundeteams inzwischen die größte in Brandenburg, ja auch bald wieder einen Trümmersuchhund.


Foto und Text: Lausitzer Rundschau

25. Oktober 2010 09:04 Uhr. Alter: 2 Jahre